Anfangsnahrung

Wenn Sie Ihr Baby nicht stillen können oder wollen, brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben. Es werden jährlich sehr viele Babys mit Anfangsmilch groß. Anfangsnahrung Pre ist Muttermilch am ähnlichsten und enthält als Kohlehydrat nur Milchzucker (Laktose), gilt als bester Ersatz für Muttermilch und kann bis zum Ende der „Flaschenzeit“ gegeben werden.

Mein Kind nimmt wenig zu, soll ich auf eine 1er Nahrung umstellen?
Nein, das ist NICHT sinnvoll.
Oft empfehlen Hebammen und Kinderärzte, bei schlechter Gewichtszunahme, statt Pre lieber 1er-Milch zu geben, damit sie schneller „zulegen“. Da jedoch beide „Sorten“ gleich viele Kalorien enthalten (70kcal je 100ml) und der Unterschied allein in der Art der Verdauung (der Verweildauer im Magen) liegt und eine 1er Nahrung langsamer verdaut wird, ist dieser Rat definitiv „falsch“.  Durch die langsamere Verdauung, verlängern sich die Abstände ziwschen den Mahlzeiten und das Kind wird weniger Nahrung (bei gleicher Kalorienzahl) zu sich nehmen. Daher ist es bei schmalen Kindern, die möglichst zunehmen sollen, immer sinnvoll, Pre statt 1er Milch zu geben.

Soll ich auf eine 1er Nahrung umstellen, wenn mein Baby nicht satt wird?
Meist verstehen Eltern unter „nicht satt“ zu sein, wenn ihr Baby häufig trinken möchte. Dies ist jedoch für Babys vollkommen normal und Abstände von 4 Stunden zwischen den Mahlzeiten eher die Ausnahme. Solange Ihr Baby nicht mehr als 1000ml in 24 Stunden zu sich nimmt, ist Pre Nahrung der „artgerechte“ Muttermilch Ersatz. Wenn das Baby jedoch über einen Zeitraum von mehr als 2 Wochen mehr als etwa 1000 ml in 24 Stunden Anfangsmilch Pre trinken möchte, kann eine 1er Nahrung durchaus sinnvoll sein, um den Magen nicht auszudehnen.

Macht eine 1er Nahrung dick?
Nein, definitiv nicht (mehr). Moderne 1er Nahrung enthalten keinen versteckten Zucker und machen nicht dick. Pre und 1er Nahrung enthalten beide 70kcal je 100ml. Die Empfehlung Pre Nahrung zu bevorzugen beruht darauf, dass Muttermilch keine Stärke enthält und somit die Verdauung von Stärke nicht „artgerecht“ ist und das Baby von Natur aus erst um den 5.Lebensmonat beginnt Verdauungsenzyme für Stärke zu produzieren. Bekommt es früher Stärke, so wird dieser Prozess beschleunigt.

Welche Anfangsnahrung ist die Beste?
Diese Frage kann ich „pauschal“ nicht beantworten. Jede Babynahrung unterliegt gesetzlichen Bestimmungen die Garantieren, dass jede Babynahrung Ihr Kind mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt.

Darüber hinaus sind, laut dieser Bestimmungen, auch noch weitere Zutaten wie LCP, GOS, FOS, Taurin, Prebiotika und Probiotika erlaubt. Jede Firma kann selber entscheiden wie sie die Rezeptur Ihrer Nahrung im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zusammen setzt. So erklärt es sich dann auch, dass einige Hersteller   unter verschiedene Namen je eine andere Rezeptur anbieten. Auf Grund dieser unterschiedlichen Rezepturen reagieren Babys auf jede Anfangsmilch anders.

Was sollte drin sein?

  • Probiotische Milchnahrungen enthalten Bifidusbakterien oder Lactobazillen, die für die Darmgesundheit wichtig sind. Ob jedoch probiotische Milchnahrungen tatsächlich die Darmgesundheit unterstützt ist derzeit nicht bewiesen
  • GOS / FOS sind unverdauliche Ballaststoffe die der Darmflora als Grundlage für eine gute Entwicklung dienen. Bei Kinder die zu Verstopfung neigen, kann dieser Zusatz hilfreich sein. Ein tatsächlicher Nutzen konnte bisher jedoch nicht nachgewiesen werden, aber immerhin auch keine nachteilige Wirkung. 
  • LCP sind langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die aus tierischen Ölen wie Eiöl und Fischöl gewonnen werden. Diese sind in den ersten Lebensmonaten besonders wichtig, da sie die Entwicklung von Gehirn, Nervensystem und Sehen beeinflussen. Das bestätigt laut Öko-Test eine aktuelle Auswertung von neueren Studien. 
  • Taurin
    Bio Säuglingsnahrung darf nicht mit Taurin angereichert werden, da es sich um einen Zusatzstoff handelt, der laut bio Eu-Verordnung verboten ist. Taurin ist in Muttermilch reichlich vorhanden und kann von Babys in den ersten Lebensmonaten nicht selber gebildet werden. Taurin ist an der Entwicklung des zentralen Nervensystems und des Herzens beteiligt und spielt bei der Fettverbrennung eine wichtige Rolle. In einer Studie an der Uni Würzburg von Prof. Dr. P. Schreier wird darauf hingewiesen, dass Taurin Mangel negative Auswirkungen für Säuglinge haben kann. Wieviel Taurin aus natürlichem Zutaten in Säuglingsnahrung enthalten ist, die nicht angereichert wurde kann meist auf der Verpackung nicht entnommen werden. Im Zweifel können Sie sich an den Hersteller wenden.

Als Faustregel kann ich sagen „Solange ihr Baby keine Beschwerden hat, ist alles gut und die Nahrung genau richtig“. Je nachdem welche „Probleme“ ihr Kind hat, kann der Wechsel der Nahrung die Situation verbessern. Da es jedoch sooo viele unterschiedliche „Probleme“ gibt, ist es sinnvoll diese im Einzelfall zu besprechen um dann eine auf Ihr Baby abgestimmte Wahl zu treffen. Einen Überblick zu speziellen Nahrungen für Säuglinge mit unterschiedlichen Bedürfnissen finden Sie hier – weiter lesen.

Herstellertabelle
Pdf_iconHier finden Sie einen Überblick der Säuglingsnahrungen mit dem Hinweis welche Zusätze enthalten sind. 

Letzte Aktualisierung am 11.03.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API