Das Kind will nicht zuhören! Wie kannst du es ohne Schreien dazu bringen, dir zuzuhören

Wer kennt es nicht: fasziniert über die Tatsache, dass man ein Kind bekommt, stopft man sein Gehirn mit allerlei Literatur über Kindererziehung voll, mit fester Entscheidung, dies alles einmal anzuwenden.

Das Kind will nicht zuhören! Wie kannst du es ohne Schreien dazu bringen, dir zuzuhören

Ein Gastartikel von Lena Lorenz

Lena Lorenz ist eine Vollzeit-Mutter mit einem Abschluss in Archäologie. Wenn sie nicht mit ihren Kindern beschäftigt ist, erstellt sie Inhalte für Muttergeist, eine Community für sowohl junge als auch erfahrene Mütter, die zusammenkommen und mehr über hilfreiche Eltern-Hacks, Schwangerschaft und postpartale Gesundheit sowie mehr über die besten Babyprodukte erfahren möchten. Du kannst Lena auf Instagram und Pinterest folgen.

Das Kind will nicht zuhören! Wie kannst du es ohne Schreien dazu bringen, dir zuzuhören

Wer kennt es nicht: fasziniert über die Tatsache, dass man ein Kind bekommt, stopft man sein Gehirn mit allerlei Literatur über Kindererziehung voll, mit fester Entscheidung, dies alles einmal anzuwenden.

Als ich erfahren habe, dass ich eine Tochter bekomme, verwandelte ich mich in eine Leseratte und zog wie ein Schwamm alles auf, was mir an Texten in die Finger kam. So las ich über Erziehungsstrategien, staunte über Ernährungstipps und schmunzelte über liebevolle Geburtstagswünsche vor lauter Vorfreude…

Zwei Kinder später....

(C) Adobe Stock | Halfpoint

Ich war nur eine Sekunde aus dem Raum, um ihr ein Paar Socken zu schnappen. Als ich die Kommodenschublade schloss, hörte ich sie in der Küche schreien: “Ich habs geschafft!”. 

Das Kind dazu bringen, dir zuzuhören fühlt sich an manchen Tagen so an, als würde man den Everest besteigen. Denn ein Kind zum Zuhören bringen, ist zu gewissen Zeitpunkten ein Machtkampf für alle Eltern.

Als ich zurück in die Küche ging, stand sie auf der Küchentheke, neben einem kaputten Glas Saft und naschte von den Frühstücksflocken.

“Guck Mami. Ich habe es selbst geschafft!”

Ich schätze ihre Begeisterung für Unabhängigkeit absolut, doch in diesem Moment war es einfach nur frustrierend. Überall war Saft verschüttet, der Kleine tritt hinein, sie stand auf der Theke.

Aus Angst, was alles hätte passieren können und die Tatsache, dass ich sie nur eine Millisekunde allein gelassen hatte und sie beide schon in Gefahr waren – auszurutschen, auf den Boden zu fallen, sich an einem Glassplitter zu schneiden und und und – ich will nicht ausschweifen…

Mit dem Schlaftraining sind wir auch nicht weit, das Wegräumen des Spielzeugs ist ebenfalls ausschließlich meine Aufgabe… die Frustrationen stapeln sich übereinander und das Schreien scheint mein einziger Ausweg zu sein, um meine Kinder dazu zu bringen, mir zuzuhören. 

Nach einigen Schreianfällen habe ich jedoch festgestellt, dass das Schreien mich immer mehr und mehr erschöpft und wenn ich genau das Gegenteil tue und überhaupt nichts sage, irgendwie die Aufmerksamkeit meiner Kinder auf mich ziehe. Hier ist wie!

© AdobeStock

Wie man Kinder ohne zu Schreien dazu bringt, zuzuhören

Mehrere durchgeführte Studien haben ergeben, dass sich 93 % der Kommunikation auf nonverbaler Ebene abspielt. Die Botschaft, die du deinem Kind übermitteln möchtest, hängt also davon ab, was du ohne Worte aussagst. 

Die Beherrschung verlieren, die Stimme erheben, schreien … wir alle kennen es und jeder macht es irgendwann. Doch wichtig ist daran zu denken, dass Kinder erst lernen müssen wie man Kommuniziert und wie man produktive Gespräche führt. Und das tun sie am besten, indem sie beobachten. 

Wenn das Gespräch mit dem Kind stressig wird, oder sich in einen Machtkampf verwandelt, ist es wichtig, respektvoll zu bleiben und im Gegenzug auch Respekt zu erwarten. Hier sind einige Tipps, wie du deinen Standpunkt klarstellen und Kindern das Zuhören mit nonverbaler Kommunikation beibringen kannst.

  1. Gleiche Augenhöhe

Die Kommunikation ist unglaublich effektiv, wenn beide auf derselben ebene sind. Hocke dich auf den Boden, bevor du deinem Kind Anweisungen gibst. Denn Superiorität kann niemand leiden, so auch Kinder nicht, was in Rebellion resultieren kann, anstatt Kooperation und Einsicht. Außerdem wird dein Kind beim ständigen Aufschauen, um dir zuzuhören, eher an seinen steifen Nacken denken, als an das, was du zu sagen hast.

  1. Richtige Kopfposition

Erinnere dich an das Gespräch als deine Freundin eine Geschichte erzählte und du an jedem Wort festhieltst. War dein Kopf zur Seite geneigt? Wenn du deinen Kopf zur Seite neigst, zeigst du deinem Kind dein Interesse, was es gerade tut oder erzählt. So bringst du dein Kind dazu, zusammenzuarbeiten und dir zu gehorchen.

  1. Lass deine Arme sprechen

Klopfe auf das Sofa, wenn sich dein Kind hinsetzen soll. Zeige auf das Spielzeug, das es bringen soll. Oder ein Trick aus der “Jugendsprache”, wo du mit zwei Fingern auf deine Augen zeigst und sie dann zurück auf dein Kind richtest. Diese bedeutet so viel wie “Ich beobachte dich” oder “Ich behalte dich im Auge”.

  1. Lächle

Angehobene Augenbrauen und ein Lächeln helfen Kindern sich sicher und glücklich zu fühlen. Während du dein Kind anlächelst, vermittelst du ihm, dass du es liebst. Du zeigst deinem Kind damit, dass du siehst, was es tut und dass es dich glücklich macht. Das Anlächeln funktioniert noch besser, wenn du dein Kind dabei direkt in die Augen schaust und das Verhalten vorführst, das dein Kind stattdessen ausführen soll. 

  1. Rücke näher

Es ist sehr schwer, jemanden zu ignorieren, wenn er dir unglaublich nahesteht. Die “Wohlfühlgrenze” persönlicher Distanz beträgt bei Erwachsenen 60 bis 150 cm. Diese Grenze dürfen Familienangehörige und Freunde unterschreiten. Kinder haben im Unterschied zu uns Erwachsenen einen viel geringeren “persönlichen Raum”, sodass du davon profitieren kannst, wenn du relativ nahe an dein Kind rückst, um mit ihm zu sprechen.

  1. Ja! Mmm… hmmm

Die erste Lektion, dein Kind dazu zu bringen, dir zuzuhören, beginnt mit deinem Zuhören als Elternteil. 

Um deinem Kind zu zeigen, dass du aktiv zuhörst, erwiderst du auf zum Beispiel: “Mama, das war ich nicht” oder “Er hat mich geschlagen” sowie das berüchtigte “Nein!” mit Lächeln, Nicken und mit “Mmm…hmm!”. 

So wird sich dein Kind gehört, bestätigt und bemerkt fühlen. Und wenn sich dein Kind so fühlt, dann wird es auch auf deine Worte und Anweisungen hören. 

  1. Richtige Körperhaltung

Sind deine Hände an deiner Taille? Sind deine Arme verschränkt? Schüttelst du deinen Kopf und zeigst mit dem Finger? 

Kinder sind offener, etwas Neues zu lernen und zu gehorchen, wenn die Arme seitlich sind. Wenn du deine Arme richtig positionierst, dann kannst du wahrscheinlich frühzeitig einen Machtkampf vermeiden und dein Kind dazu bringen, dir zuzuhören. 

  1. Daumen hoch, Daumen runter.

Wenn du und dein Kind durch Distanz oder Lärm getrennt seid, ist ein Daumen hoch oder Daumen runter eine sehr praktische Art zu kommunizieren. Du kannst dein Kind anlächeln und einen Daumen hoch geben, wenn es schön am Esstisch sitzt oder mit dem Kopf schütteln und einen Daumen nach unten drücken, wenn es auf dem Tisch steht. 

  1. Das Verhalten spiegeln

Das Verhalten, wie sich dein Kind benehmen soll, vorzuführen, ist der Schlüssel, dein Kind dazu zu bringen, dir zuzuhören. Setz dich auf den Boden und konzentriere dich auf das Durcheinander und die Spielsachen –  das kann deinem Kind helfen zu verstehen, was du von ihm erwartest und es fängt mit dem Aufräumen an. 

Erst verbinden, dann korrigieren

Ich trat über die Saftpfütze auf den Boden, nahm den Kleinen in die Arme und rückte näher zu ihr. Unsere Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt.

Ich zeigte ihr per Körpersprache von der Theke herunterzukommen, gab ihr “den Blick” in Richtung Sofa, wo die Socken auf sie warteten.

An Tagen, an denen sich alles wie ein Machtkampf anfühlt und ich mich in eine wütende Mutter verwandeln möchte, bin ich dankbar für die nonverbale Kommunikation und die Möglichkeit, meine Kinder dazu zu bringen, mir zuzuhören, ohne dass meine Stimmbänder brechen.

So erspare ich mir nicht nur schräge Blicke und schone meine Nerven, sondern spare auch meine Energie, um mich mit einem Buch in die Decke zusammenzurollen und mehr als drei Seiten wach zu bleiben, nachdem die Kinder eingeschlafen sind.

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Letzte Aktualisierung am 25.10.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API