Erkältung oder Grippe?

WärmflascheBabys und Kleinkinder sind häufig erkältet und meist handelt es sich um einen harmlosen Infekt. Doch wie kann man eine „echte Grippe“ erkennen?

Bei einer echten Grippe handelt es ich um eine Influenza[1]. Dies ist eine Infektion, deren Auslöser die Influenzaviren sind. Sie gehören zur Gruppe der Orthomyxoviren (Typ A, B, C). Beim Menschen treten Influenza Typ A und Typ B auf[2]. Eine Übertragung findet durch eine Tröpfcheninfektion statt, also zum Beispiel beim Niesen oder Husten [1].

 

Symptome einer Grippe
Bei kleinen Kindern stellt sich die Infektion meist so dar, dass sie klinisch nicht von einer Erkältung ( sog. grippaler Infekt) zu unterscheiden ist, obwohl deren Auslöser ganz andere Viren (zum Beispiel sog. Adenoviren) sind[3]. Symptome einer Grippe treten etwa zwei bis drei Tage nach einer Ansteckung auf. Anzeichen sind sehr plötzlich auftretende Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen[1], sowie hohes Fieber und Halsschmerzen. Der Verlauf ist zumeist schwerer als bei einer Erkältung[2]. Oft kommt noch Husten (trockener Reizhusten) hinzu, welcher sogar über mehrere Wochen anhalten kann[1].  Eine Ansteckungsgefahr besteht im Zeitraum der ersten sieben Tage[1].

Therapie 
Genau wie eine normale Erkältung wird eine Grippe primär symptomorientiert behandelt[2]. Das bedeutet für das Baby: viel Bettruhe und ausreichend viel Trinken[1]. Mithilfe von für Babys und Kleinkindern geeigneten Fieberzäpfchen mit Ibuprofen oder Paracetamol kann das Fieber gesenkt werden. Für Kinder ab 1 Jahr kann der Kinderarzt zusätzlich Medikamente verordnen die Viren hemmen können (sog. Neuramindasehemmer, zum Beispiel Oseltamivir). Antibiotika sind bei einer Grippe nur dann empfohlen, wenn es zu einer sog. Bakteriellen Superinfektion kommt. Darunter versteht man, dass auf einen viral bedingten Infekt eine bakterielle Infektion folgt[4]. Eine zusätzliche Anwendung von Homöopathischen Substanzen ist ebenfalls möglich. Wie bei jeder Erkältung auch, sind natürlich auch altbewährte Hausmittel zur Linderung der Symptome sinnvoll. Was bei Husten, Fieber und Schnupfen helfen kann, erfahren in den passenden Artikeln.

Wie wird nachgewiesen, ob es sich wirklich um eine „echte Grippe“ handelt?
Wenn Ihr Kind die genannten Symptome zeigt, sollten Sie zur Abklärung Ihren Kinderart zu Rate ziehen.  Hat der Kinderarzt den Verdacht, dass es sich um eine „Grippe“ handeln könnte, wird er einen Abstrich in der Nase oder Rachen machen. Die verbindliche Diagnose einer Influenza erfolgt, indem spezifische Antikörper, welche der Körper nach dem Eindringen der Influenza- Viren bildet, nachgewiesen werden können. Sollte es sich dann tatsächlich um Influenza- Viren handeln, so ist dies in Deutschland namentlich meldepflichtig[3].

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Grippe Impfung
Grundsätzlich ist eine Impfung gegen das Influenza- Virus erst ab dem 6. Lebensmonat möglich. Diese wird unter anderem besonders bei Kindern empfohlen, welche eine Stoffwechselstörung, Erkrankungen des Herz- Kreislauf- Systems oder der Niere haben, sowie wenn eine chronische Entzündung der Bronchien (Bronchitis) vorliegt. Bei der Impfung werden entweder tote bzw. inaktivierte Viren oder Lebensimpfstoffe verabreicht. Der Körper bildet dabei unter Ausbleiben der typischen Symptomatik sogenannte Antikörper, welche sich beim Eindringen des Virus auf natürliche Art und Weise an Strukturen dessen binden und ihn so für unser Immunsystem zum Abbau markieren[3]. Die Impfung gibt in der Regel Schutz gegen die Grippe für ein Jahr[1]. Hintergrund dessen ist, dass die Influenza- Viren etwa alle drei bis fünf Jahre Abschnitte ihrer Gene untereinander austauschen (sog. Antigendrift) und somit die vom Körper gebildeten Antikörper nicht mehr auf die „neuen Viren“ passen. In größeren Zeitabschnitten, also etwa alle zehn bis zwanzig Jahre kommt es zu noch größeren Veränderungen, indem Viren der Gruppe A und C (also von solchen Typen, welche eigentlich nur bei Tieren vorkommen) Abschnitte der Gene austauschen. Man spricht von „Antigenshift“, welche dann größere Pandemien auslösen können[3]. Ob eine Impfung notwendig ist oder nicht, sollte am besten mit dem behandelnden Kinderarzt besprochen werden.

Quellenangaben
[1]Silvia Höfer, Quickfinder babys erstes Jahr, Gräfe und Unzer Verlag, Dezember 2012, S. 152
[2] Gerald Hellstern,Martin Bald,Claudia Blattmann,Hans Martin Bosse: Kurzlehrbuch Pädiatrie, Georg Thieme Verlag, Oktober 2012, S 174
[3] Christian P. Speer, Manfred Gahr: Pädiatrie, Springer- Verlag, August 2013, S. 366
[4] „Superinfektion“, http://flexikon.doccheck.com/de/Superinfektion, 13.08.2015