Neugeborene

Neugeborenes1-700x525Die häuslichen Freuden der Menschen sind die schönsten der Erde, und die Freuden der Eltern über ihre Kinder ist die heilige Freude der MenschheitPestalozzi 

Die ersten Augenblicke nach der Geburt
In den ersten Augenblicken nach der Geburt befreien sich die Atemwege des Babys durch erste Atemzüge und vielleicht sogar einen kräftigen Schrei vom restlichen Fruchtwasser.

Die Nabelschnur wird kurz über dem Nabel abgeklemmt und dann durchtrennt, dann wird Ihnen das Baby für den ersten Hautkontakt auf den Bauch gelegt.
Wenn die Nachgeburtsphase abgeschlossen ist, können Sie sich etwas erholen und frisch machen, während Ihr Kind gewogen, gemessen und vor allem untersucht wird: In drei sogenannten Apgar-Tests wird der Gesundheitszustand des Neugeborenen eine, fünf bzw. zehn Minuten nach der Geburt beurteilt.

Dann wird das Baby gewaschen, während die Käseschmiere (Vernix caseosa) auf der Haut belassen bzw. einmassiert wird. Ihr Kind wird behutsam abgetrocknet, in ein warmes Tuch gewickelt und wieder zu Ihnen gebracht, damit Sie die ersten Kontakte so richtig genießen können. Gut ist es, wenn Sie Ihr Baby an die Brust anlegen, es wird auch aktiv nach der Brustwarze suchen. Auch wenn der Milcheinschuss noch nicht eingesetzt hat: Die Vormilch ist besonders wertvoll für das Neugeborene.

Jetzt haben Sie auch Gelegenheit, sich Ihr Baby zum ersten Mal gründlich anzusehen. Wenn Sie am Aussehen Ihres Kindes etwas bemerken, was Sie beunruhigt oder Ihnen ungewöhnlich erscheint, scheuen Sie sich nicht, danach zu fragen. Die Gefühle von Nähe und Verbundenheit mit dem Neugeborenen sind von einer unbeschreiblichen Intensität. Sie geben Eltern die Kraft, die Anstrengungen der ersten Zeit mit Freude auf sich zu nehmen. Das ist Liebe auf den ersten Blick.
Später wird man mit Ihnen in Ruhe die nachfolgenden Untersuchungen des Kindes, spezielle Untersuchungen auf angeborene Stoffwechselstörungen und empfehlenswerte Impfungen besprechen. Auch die vorsorgliche Gabe von Vitamin K wird mit Ihnen erörtert.

Besonderheiten in der Neugeborenenzeit

Die Fontanelle
Die Fontanellen sind Weichstellen unter der Kopfhaut des Babys, wo die Schädelknochen noch nicht zusammen gewachsen sind. 

Käseschmiere
In den Wochen vor der Geburt umhüllt sich das Baby mit einer Art körpereigener Hautschutz-Creme – der Käseschmiere (Vernix caseosa). Sie erfüllt drei Funktionen: Käseschmiere schützt die Haut vor dem Austrocknen im Fruchtwasser, sie ist ein natürliches Gleitmittel für die Geburt und sie umhüllt das Baby kurz nach der Geburt, damit es nicht so rasch auskühlt. Käseschmiere sieht weißlich-gelb aus und ist geruchsneutral. Sehr feine Mutternasen erschnuppern sogar einen leichten Duft nach Vanille oder Karamel, unvergleichlich nach Baby eben. Die Käseschmiere zieht rasch in die Haut ein – Ihr Baby sieht dann rosig aus. Für die Haut Ihres Kindes gibt es keine bessere Salbe. Übertragene Babys haben keine Käseschmiere mehr auf der Haut. Sie wurde sozusagen schon im Mutterleib aufgebraucht.

Babys Temperatur
Die des Neugeborenen beträgt ungefähr 36,5 bis 37,7 Grad Celcius. Es hat einen schnellen Puls, der sich bei Anstrengungen noch erhöht. Auch die Atmung ist schneller als bei Erwachsenen und wirkt zeitweise unregelmäßig. Neugeborene niesen häufig unld haben des öfteren Schluckauf, der den ganzen Brustkorb zum Einziehen bringt.

Der erste Stuhl
(Mekonium ( Kindspech) ist dunkelgrün bis schwarz und zähflüssig. Nach zwei bis drei Tagen wird er gelbgrün und dünn- bis dickflüssig. Am ersten und evtl. am zweiten Lebenstag hat Euer Kind einen pechschwarzen sehr zähen Stuhl. Diesen Stuhl nennt man im Volksmund Kindspech. Wahrscheinlich, weil er so schwer von der Haut zu entfernen geht. Dieser Stuhl  hat sich schon während der Schwangerschaft im Darm des Kindes angesammelt. Danach kommt der Übergangsstuhl, ein bisschen schwarz, ein bisschen grünlich. Er ist auch leichter von der Haut zu entfernen.

Reflexe und Reaktionen
sind schon erstaunlich gut ausgebildet. So reagieren Neugeborene mit ihrem ganzen Körper auf extreme Licht- und Geräuschquellen. Den Saug- und Schluckreflex haben sie ja bereits im Mutterleib trainiert.

Augen und Ohren
Ihr Kind kann auf eine kurze Distanz scharf sehen. Für einen kurzen Moment kann es auch den Blick halten. Wenn Ihr Kind hin und wieder schielt ist dies bis zum vierten Monat normal. Die Tränendrüsen beginnen bei den meisten Babys erst später zu arbeiten und so wird es in den ersten drei Monaten noch ohne Tränen weinen. Auch das Gehör ist voll ausgebildet. Ihr Kind wird die Klänge (wie die Stimmen seiner Eltern), die es im Mutterleib gehört hat, wiedererkennen.

Versorgung des Nabelschnurrestes
Die Nabelschnur ist für die Versorgung des Babys im Mutterleib zum Transport von Sauerstoff und Nährstoffen wichtig. Nach der Geburt wird dieser Teil nicht mehr benötigt. Die Hebamme oder der Papa klemmt diese Nabelschnur bei der Geburt ab. Jetzt soll der kleine Nabelschnurrest möglichst schnell abtrocknen und auch abfallen. Am Besten klappt das, wenn Ihr dafür sorgt, dass der Nabelschnurrest niemals in die Windel gesteckt wird. Zieht die Windel in dieser Zeit bis unterhalb des Nabelschnurrestes an. Bei regelmäßigem Wickeln in dieser Art, wird er in 4-8 Tagen abfallen. Anschließend muss er noch mit einem sterilen Mulltupfer abgedeckt werden, bis die noch verbleibende Nabelwunde ebenfalls verheilt ist. Wenn Euer Kind mal heftig schreit kann es passieren, dass die Wunde etwas blutet. Keine Sorge, wischt sie mit einem sterilen Tupfer und evtl. etwas abgekochtem Wasser sauber und anschließend wieder trocken.

Das ist Ziegelmehlsediment
Ziegelmehlsediment beschreibt eine rötliche Färbung des Urins in der Windel des Neugeborenen. Diese Flecken in der Windel sehen aus wie abgeschabte Dachziegeln. (Von Eltern wird es oft als Blut angesehen). Das ist ein Zeichen für den Zerfall von Harnsäure, die bei Neugeborenen noch sehr viel vorhanden ist und ist harmlos.

Blutentnahmen in der Neugeborenenzeit
Leider gibt es auch unangenehme Sachen, wenn man gerade geboren ist. Der Blutzuckerspiegel, der Gelbsuchtwert, und Stoffwechselerkrankungen werden kontrolliert. Da der Blutzuckerspiegel in den ersten Tagen häufig schwankt, wird in der Regel einmal eine Kontrolle gemacht. Ist er zu niedrig, muss dem Baby unbedingt Traubenzucker zugeführt werden um ihn zu erhöhen. Das kann durch häufigeres Anlegen geschehen. Da in der Muttermilch sehr viel Traubenzucker ist, regelt sich der Zuckerspiegel im Blut später oft alleine. Es haben aber nicht alle Mütter vom ersten Tag an ausreichend Muttermilch. Hier gibt man den Babys spezielle Traubenzuckerlösung zu trinken. Möchtet Ihr diese nicht mit einer Flasche geben, könnt Ihr es selbstverständlich auch mit einem Becher, einer Spritze oder Eierlöffel füttern. Die Schwestern zeigen es Euch sicher gerne. Bei allen untergewichtigen Kindern und Kindern über 4000 gr. Gewicht wird der Blutzuckerspiegel besonders gut beobachtet. Da kann es auch schon mal notwendig sein, dass Kontrollen mehrfach durchgeführt werden müssen. Ist der Wert über längere Zeit zu niedrig, hat dieses negative Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes. Deshalb ist dann das Zufüttern einer Traubenzuckerlösung besonders wichtig.

Gelbsuchtwert des Neugeborenen
Meistens wird mit dem Blutzucker gleichzeitig der Gelbsuchtwert des Neugeborenen mit getestet. Keine Angst, die Neugeborenengelbsucht ist keine Erkrankung, sondern sie entsteht durch einen normalen Abbau der roten Blutkörperchen. Bei einigen Kindern ist die Leber damit überfordert. Phototherapie Vielleicht, weil das Baby etwas zu früh geboren wurde? Oder weil die Geburt so stressig für das Kind war? In jedem Fall ist dieser Abbau und somit das leichte Gelbwerden des Kindes normal, so lange die Werte sich in einem bestimmtem Rahmen bewegen. Ihr könnt dem Kind helfen, dieses Abbauprodukt “Bilirubin“ schnell auszuscheiden. Es muss regelmäßig gestillt werden. Das heißt: immer, wenn es wieder wach wird bekommt es die Brust zu trinken. Zusätzlich hilft es, wenn Ihr dem Kind etwas abgekochtes Wasser zu Trinken anbietet. Es hilft den Nieren beim Ausschwemmen des gelben Farbstoffes. Außerdem hilft helles Tageslicht beim Abbau des Gelbstoffes. Stellt es also in die Nähe eines hellen Fensters.

Neugeborenen Screening
Ab dem Alter zwischen 36 und 72 Stunden wird eine Blutentnahme durchgeführt, die Euer Kind vor schlimmen Erkrankungen bewahren soll! Es wird ein Filterpapier mit sechs Tropfen Blut Eures Kindes abgenommen und zur weiteren Untersuchung in ein entsprechendes Labor geschickt. Mit dieser Blutabnahme kann man angeborene Erkrankungen schon in der Anlage erkennen.Z. B. wenn ein Kind bestimmte Eiweißstoffe nicht verarbeiten kann, kann man mit einer Diät den Ausbruch der Erkrankung verhindern oder zumindest stark mindern.

Der Hörtest beim Neugeborenen
In vielen Entbindungskliniken kann schon ein Hörtest gemacht werden. Dazu wird ein kleines Stöpselchen in den Gehörgang des Babys gesteckt. Dieser sendet Schallwellen an das Trommelfell. Kann das Kind hören, werden diese Schallwellen an den kleinen speziellen Computer an das Kabelende zurück geschickt. So können wir Euch direkt sagen,  ob das Gehör des Kindes in Ordnung ist. Das Kind wird durch diesen Test nicht belastet oder geärgert. Das Geräusch des Gerätes ist dem Wassergeräusch im Mutterleib ähnlich. Je später eine Hörstörung erkannt wird, desto schlechter kann das Kind Sprechen lernen. Wird aber eine Hörstörung noch in den ersten sechs Lebensmonaten entdeckt und behandelt, entwickelt sich die Sprache weitgehend normal.

Niesen eines Babys
In den ersten Lebenstagen wird Euer Baby sicher oft niesen. Viele Eltern haben dann die Sorge, es könnte eine Erkältung bekommen. Das ist aber nicht der Fall. Die empfindliche Nasenschleimhaut des Kindes muss plötzlich mit vielen Sachen zu Recht kommen, die sie bisher nicht kannte. Das Baby ist in einer sauberen Umgebung aufgewachsen, bevor es geboren wurde.
Euer Baby niest, wenn:
Staub in der Luft ist, Ihr das Bettchen aufgeschüttelt habt oder es getrunkene Nahrung nicht richtig herunter geschluckt hat. Diese steigt dann in den Nasen-Rachen-Raum hoch und kitzelt in der Nase.
Ihr seht also, der Reflex ist durchaus erwünscht um das kleine Näschen zu säubern.

Fluor
Als erstes sollte das Häufigste genannt werden und das ist Fluor bei kleinen Mädchen.  In den ersten Lebenstagen kann plötzlich ein dicker fetter Schleimpfropf zwischen den Schamlippen sitzen. Nicht erschrecken, das ist absolut harmlos und kommt nur in den ersten Lebenstagen vor. Ihr nehmt einfach ein Blatt Küchenrolle oder Toilettenpapier, fasst diese Schleimpfropf an und zieht. Das Kind kriegt davon überhaupt nichts mit, da es absolut keine Schmerzen verursachen kann. Möglich ist es, dass Ihr nicht alles raus ziehen könnt, weil es abgerissen ist. Unwichtig! In der nächsten Windel liegt der Rest.

Mensis/Regelblutung
Ist es ein Mädchen, kann es durch zuviele Hormone eine leichte Mensis bekommen. Die Blutmenge in der Windel kann sich zwischen ein paar Tropfen bis zur handtellergroßen  Blutung bewegen. Bekommt deshalb keinen Schreck, es ist wirklich keine Erkrankung sondern seht es als Laune der Natur.

Der erste Busen
Bei Mädchen und Jungen können aus diesem gleichen Grund des reichlichen Hormonsübertritts von der Mutter kleine Busen entstehen. Auch das ist ein vorübergehendes Phänomen. Ihr dürft aber niemals an diesen kleinen Brüsten herum drücken, dann gehen sie ohne Problem von alleine wieder weg. Sollte in seltenen Fällen etwas Milch aus der Brust kommen, deckt diese bitte mit einem sterilen Tupfer ab und polstert den Busen mit Watte ab, damit die Kleidung nicht daran scheuert.

Neugeborenem Exanthem
Einige Neugeborene bekommen am 3. oder 4. Tag einen Ausschlag. Diesen nennt man Neugeborenen Exanthem. Die Babys bekommen kleine rote Flecken, Pickelchen, manchmal gelbe Pusteln die schön trocken gehalten werden müssen. (Also nicht eincremen oder ölen, das verschlimmert das Hautbild) Sie verschwinden in einigen Tagen von ganz alleine und haben nichts mit Neurodermitis zu tun. Es ist eine Anpassungsstörung der Haut an unsere Welt. Wärme, Kälte, Wäsche die mit Waschpulver gewaschen ist, Duftstoffe durch die Seife der Eltern, Rasierwasser an der Haut des Vaters usw. können dieses begünstigen. Die Haut gewöhnt sich aber schnell daran, sodass diese Hauterscheinung in einigen Tagen verschwunden ist.

Augenentzündungen
Manche Babys bekommen in den ersten Lebenstagen eine leichte Augenentzündung, die durch Bakterien im Geburtskanal entsteht. Dieses „Augenschmieren“ ist in der Regel harmlos. Sie brauchen meistens nur regelmäßig ausgewischt werden. Wenn Ihr schon Zuhause seid, könnt Ihr das mit abgekochtem Wasser machen, in der Klinik nimmt man dafür Kochsalzlösung 0,09%  (Selbstverständlich könnt Ihr diese auch in der Apotheke kaufen.) Bitte benutzt dafür keinen Kamillentee. Er verschlechtert den Zustand sehr häufig.

Kephalhämatom
Das ist eine Beule am Kopf des Kindes, die in den ersten Tagen nach der Geburt auftreten kann. Sie entsteht durch den Druck auf die Schädelknochen während der Geburt. In der Regel geht sie in den ersten Wochen von ganz alleine zurück.

Auffällige Herzgeräusche
Beim Abhorchen der Herztöne werden manchmal auffällige Geräusche von der Ärztin/ vom Arzt gehört. Nur bei einem kleinen Teil der Kinder ist dieses eine Erkrankung des Herzens. Normalerweise benötigen diese Kinder keine  Behandlung und das Herzgeräusch normalisiert sich in den ersten Tagen von ganz alleine. Oft hört man bereits bei der zweiten Untersuchung des Babys kein auffälliges Herzgeräusch mehr. Bleiben die Herzgeräusche aber bestehen, wird die Kinderärztin/der Kinderarzt weitere Untersuchungen zur Abklärung der Ursache durchführen. Gründe für ein „normales“ auffälliges Herzgeräusch ist die Umstellung des kindlichen Blutkreislaufs nach der Geburt. Manchmal ist in den ersten Tagen die Verbindung zwischen den beiden Vorkammern des Herzens noch nicht ganz geschlossen, dann wird man in den ersten Lebenstagen ein leichtes Geräusch hören.

Herpes der Eltern
Hat eine Mutter (oder sonst jemand) eine Herpesinfektion, solltet Ihr dafür sorgen, dass das Kind keine Infektion bekommt. Herpesviren schlafen häufig über Jahre im Körper, ohne ein Zeichen abzugeben. Wer sie einmal hat, wird sie nie wieder los. Probleme bereiten sie allerdings, wenn Babys oder immunschwache Personen sich damit infizieren. Bei Babys mit unreifem Immunsystem können Infektionen des Gehirns oder der Hirnhäute auftreten. Also: Hat jemand Herpes und muss das Kind trotzdem pflegen, sollte er unbedingt einen Mundschutz tragen. Es kann ein Handwerker-Mundschutz aus dem Baumarkt sein. Ganz besonders notwendig ist dieses, wenn die Herpesbläschen aufgegangen sind. Besucher sollten in dieser Zeit jeden Kontakt strikt meiden.