Schlafe durch Baby

Schläft es denn schon durch? Diese Frage wird Eltern oft gestellt und auch in der Krabbelgruppe ist dies ein heiß diskutiertes Thema. Müssen Babys wirklich durch schlafen und ab wann kann ein Baby überhaupt Tag und Nacht unterscheiden?

Ein Zitat einer Mutter nach einem Vortrag von mir
„Wenn ich gewusst hätte, dass das alles ganz normal ist, wäre alles so viel stressfreier gewesen und ich hätte gewusst, dass ich alles richtig mache.“

Schlafen und Stillen / Anfangsnahrung
Noch heute wird immer wieder empfohlen Kinder möglichst früh zur „Regelmäßigkeit“ zu erziehen. Im ersten Lebensjahr kollidiert dies jedoch mit dem evolutionären Programm unserer Kinder. Muttermilch / Anfangsmilch sollte Ihr Baby nach Bedarf erhalten und zwar Tag und Nacht.

Wachstums und Entwicklungsschübe
Das „teuerste“ Organ Gehirn des Menschen wächst in den ersten drei Lebensjahren ungeheuer rasant auf die zwei- bis dreifache Größe an. Und dieses Wachstum will „finanziert“ sein: wer ein extrem schnell wachsendes Gehirn sein eigen nennt, darf keine Gelegenheit verpassen um sich mit Energie zu versorgen – und sei es zur Nachtzeit. Dieses Wachstum bedingt auch Unruhe, Spannung, Stress und das Gefühl von Angst. Das Baby weint und möchte nicht alleine sein.

Entwicklung des Schlafens

  • Ab etwa dem sechsten Lebensmonat schlafen die meisten 9 – 14 Stunden.
  • Dieser Schlaf wird je nach Alter in unterschiedlich großen Portionen „abgearbeitet.
  • Viele schlafen in drei „Paketen“, und die liegen typischerweise jeden Tag in etwa um die gleiche Uhrzeit.

Der Nachtschlaf

  • Ab etwa 6 Monate stellen, die meisten Säuglinge sich auf einen längeren Nachtschlaf ein.
    Im Durchschnitt etwa 7 – 12 Stunden.
  • Das heißt aber nicht, dass sie diese Stunden am Stück – also „DURCH“ -schlafen.

Ab wann Schlafen Babys durch?
Zeichnet man den Säuglingsschlaf mit der Videokamera auf, so werden drei Monate alte Kinder im Schnitt nachts immerhin zwei- bis dreimal wach. Mit neun Monaten wachen die Kleinen sogar fünfmal pro Nacht auf. Und mit zwölf Monaten sind sie wieder dort, wo sie mit drei Monaten waren: bei zwei bis drei Mal pro Nacht. Selbst im Kleinkindalter ist der Nachtschlaf noch keineswegs von Dauer: Über ein Drittel der Kinder meldet sich nachts noch mit zweieinhalb Jahren regelmäßig. Das nächtliche Aufwachen scheint also sozusagen zum Kleingedruckten des Schlafs zu gehören.

Der Schlaf aus Sicht der Evolution
Babys, die ohne zu zögern unter den viel besungenen Sternlein am Himmel eingeschlafen wären, wären zu 99,9% der menschlichen Geschichte tote Babys gewesen – sie wären von Bären verschleppt, von Schlangen angeknabbert oder von einer nächtlichen Wetterfront unterkühlt worden. Der einzige sichere Schlafort für kleine Geschöpfe war bis in die jüngste Vergangenheit dicht am Körper eines vertrauten Erwachsenen. Kein Wunder, dass den kleinen Menschen das Allein-Schlafen Angst macht.

Durchschlafen als Entwicklungschritt
Die Schlafforschung definiert aus diesem Grund das Durchschlafen anders als viele Eltern: Durchschlafen heisst nach ihrer Annahme nicht, dass ein Kind die ganze Nacht schläft. Aus Sicht der Schlafforschung schläft ein Säugling vielmehr dann durch, wenn er nachts sechs bis acht Stunden lang Ruhe gibt – d.h. wenn es ihm gelingt nach den Wachphasen wieder von alleine in den Schlaf zu finden.

Der ernüchternde Befund der Evolutionsbiologie lautet also, dass kleine Kinder keine selbstständigen Schläfer sind.

Wichtig um in den Schlaf zu finden

  • Müdigkeitssignale früh erkennen
  • Wenig „Stimulation“ am Abend
  • Vorbereitung auf den Schlaf, durch wiederkehrende Handlung z.B. Essen, Pflege, tragen, singen, hinlegen, Spieluhr
  • In der Nähe sein und Hilfe zur Regulation anbieten
  • Eventuell gemeinsam schlafen.

Hilfe zur Regulation nach Brazelton

  • Nähe und Ansprechen
  • Hände zusammen legen
  • Kuscheltuch / Tier anbieten
  • Tragen und sanft wiegen
  • Schnuller
  • Stillen / Flasche
    Liebe Dein Baby bedingungslos und schenke Ihm so viel Nähe und Körperkontakt wie es braucht“. Babys kann man nicht verwöhnen!!

Das kann helfen

  • Übermüdung verhindern
    Manchmal werden müde Kinder wachgehalten und bespielt, weil Eltern der Meinung sind es sei noch zu früh und Ihr Kind würde dann morgens noch früher wach. Das stimmt so nicht, oft ist das Gegenteil der Fall. Legt man das Kind etwas früher hin, so schläft es morgens länger.
  • Reizüberflutung verhindern
    Babys sind den ganzen Tag damit beschäftigt das was sie hören und sehen zu verarbeiten. Das ist sehr anstrengend und führt manchmal abends zu regelrechten Schreistunden, weil das Kind mit den vielen Eindrücken nicht mehr zurecht kommt. Versuchen Sie Radio und Fernseher aus zu lassen, solange Ihr Kind wach ist. Babys die bereits müde sind und beginnen zu weinen, sollten nicht mehr mit Spielzeug abgelenkt werden. Zwar beruhigt sich das Kind kurz, der Reiz des Spiels kann jedoch zu einer Reizüberflutung führen und das Baby findet dann später nicht in den Schlaf.
  • Viel Essen hilft nicht
    Nicht jedes Baby das Nachts erwacht ist automatisch hungrig. Und nicht jedes Baby das abends “abgefüttert” wurde schläft besser. Die Werbung unterstützt die These, dass nur satte Kinder schlafen. Werbung ist Psychologie pur und jeder Werbefachmann weiß, dass Eltern sich nichts mehr wünschen als endlich wieder durch zu schlafen. Wenn Sie die Werbung beobachten, werden Sie schnell merken dass jedes angepriesene Produkt Ihnen genau dies verspricht. Besonders Mütter gestillter Kinder sind häufig unsicher ob Ihr Baby auch wirklich satt ist. Ich kann das gut verstehen, aber auch gestillte Kinder können ohne zusätzliche Nahrung schlafen.
  • Ein Abendritual kann helfen
    Es klingt einfach, ist aber in vielen Familien nicht die Regel: ein abendliches Ritual, das den Kindern zeigt, dass es Zeit zum Einschlafen ist. Für die Beziehung zwischen Eltern und Kind ist ein solches Ritual jedoch nur positiv und bisweilen gelingt es auf diese Weise sogar, schon wenige Wochen alten Babys schnell in den Schlaf zu finden. Wichtig ist, dass ein Abendritual für Ihr Baby vorhersehbar ist und es den Ablauf wieder erkennen kann. Bewährt hat sich folgender Ablauf: Essen, wickeln, ausgiebig kuscheln, ins Bettchen legen, etwas singen und/oder Spieluhr. Je nach Situation können Sie versuchen das Zimmer zu verlassen oder nach dem abgestuften Trösten Hilfestellung anbieten.
  • Was wenn das Baby nach dem Ritual weint
    Trösten Sie Ihr Baby etwas und sprechen Sie mit Ihrem Kind, keine Sorge auch wenn Ihr Baby noch klein ist und die Worte nicht versteht, die Botschaft dahinter wird es verstehen. Bleiben Sie eine Weile bei Ihrem Baby und versuchen Sie dann das Zimmer zu verlassen. Lassen Sie jedoch Ihr Baby jedoch nicht alleine weinen. Bleiben Sie besser am Bettchen stehen oder sitzen.
  • Co -Sleeping als Lösung?
    Ja, oft ist Co-Sleeping ideal für die Familie. Besonders in den ersten Monaten kann es hilfreich sein gemeinsam zu schlafen und so Kraft zu schöpfen – mehr dazu hier.
  • Blockaden ausschließen
    Manchmal sind Spannungen und Blockaden die Ursache für häufiges weinen, überstrecken und häufiges wach werden. Fragen Sie ihren Kinderarzt oder wenden Sie sich an eine Osteopathie-Praxis.
  • Gibt es eine Patentlösung
    NEIN! Es gibt keine Patentlösungen für Kinder. Es gibt jedoch für alle Eltern und deren Kindern eine individuelle Lösung, scheuen Sie sich nicht Hilfe zu suchen.

SOS

Alles gut und schön, aber bei uns klappt nichts und ich kann nicht mehr
Seien Sie versichert, dass alle Eltern irgendwann mal an einen Punkt kommen, an dem liebevolle Tipps vollkommen sinnlos erscheinen und man das Gefühl hat am liebsten weg zu rennen und sich manchmal sogar Sorgen macht man könne die Nerven verlieren und dem Baby etwas antun. Negative Gefühle sind ganz normal! Für solche Situationen ist ein Notfallplan hilfreich – mehr dazu hier.