Tragen – mehr als nur ein aktueller Trend

Ein Gastartikel von

Constanze Wedding

zertifizierte Trage-, Beikost- und Stoffwindelberaterin

frei

Mit Liebe Gebunden – Constanze Wedding
Unter diesem Vorsatz arbeite ich als zertifizierte Trage-, Beikost- und Stoffwindelberaterin im Münchner Norden. Durch die Geburt meiner Tochter kam das Interesse zu den Themen, so dass irgendwann der Wunsch aufkam, aus der Leidenschaft meinen Beruf zu machen. Dabei ist mir ein bedürfnisorientiertes Handeln besonders wichtig, um am Ende einer Beratung Eltern und Kind glücklich zu sehen. Eltern und Kind sollen mit Liebe gebunden miteinander leben.

Du findest mich unter: www.mitliebegebunden.de

Tragen – mehr als nur ein aktueller Trend

Auf jeder Erstausstattungsliste nicht mehr wegzudenken: Eine Tragehilfe (oder Tuch). Trägt die eine Mama dauerhaft, so sagt die andere, dass dem Baby damit geschadet wird. Doch was stimmt nun? Und ist das Babytragen wirklich solch eine moderne Trenderscheinung? Nein, das ist es definitiv nicht! Wir sind von Natur aus aktive Traglinge, die sich an der Mama festhalten und getragen werden wollen. Denn eigentlich sind wir physiologische Frühgeburten, die anfangs auf Hilfe angewiesen sind. Der erste Wagen, der zum Reinlegen gedacht war, wurde im 16. Jahrhundert entwickelt. Tatsächlich entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals in England der Trend, täglich mit einem Wagen spazieren zu gehen. Jahrhundertelang wurden Babys – meist von ihren Müttern – getragen. Da dies eine Selbstverständlichkeit war, gab man sein Wissen von Generation zu Generation weiter. Als der Kinderwagen sich in Europa etablierte, verblasste für einige Zeit das Tragen und viele nahmen an, dass ein Baby gerade liegen muss, um sich zu „entfalten“. Dem, so wissen wir heute, ist allerdings nicht so:

Die Hüften eines Baby sind bei Geburt noch unreif und entwickeln (verknöchern) sich erst in den kommenden Monaten nach der Entbindung. Dabei hilft das Tragen ideal, da die natürliche Anhockung der Beine, die jedes Baby anfangs automatisch einnimmt, wenn es auf dem Rücken liegt, optimal unterstützt wird.

© Adobe Stock, Ramona Heim

Sogar eine leichte Hüftunreife lässt sich durch korrektes Tragen in der Heilung unterstützen – hierfür ist immer ärztlicher Rat erforderlich! Die Wirbelsäule ist anfangs nach hinten (dorsal) gekrümmt und zeigt damit die typische C-Form, da das Kind im Mutterleib „eingekuschelt“ lag.

© Adobe Stock, bilderzwerg
Im Laufe des ersten Lebensjahres bildet sich die Wirbelsäule immer weiter aus, so dass mit Beginn des Laufens die Wirbelsäule ihre endgültige S-Form erreicht hat. Hierbei unterstützt das Tragen die natürliche Rundung des Rückens ideal. Babys, die getragen werden, trainieren zudem ihre Muskulatur ständig, da sie bei jeglicher Bewegung des Tragendes mitgehen. Die Atmung des Tragenden beruhigt das Baby und lässt es friedlich schlummern.
© Adobe Stock, Robert Kneschke

Aber auch für dem Tragenden bietet es viele Vorteile, sein Kind zu tragen. Man ist flexibel und hat beide Hände frei. Sei es zum Erledigen von Hausarbeiten, Spielen mit dem Geschwisterkind oder auch beim Einkaufen. Oftmals wird ein Baby, das auf dem Arm sitzt, seitlich auf der Hüfte abgestützt. Dies führt beim Tragenden zu Fehlhaltungen der Wirbelsäule und daraus resultierend langfristig zu Verspannungen und Schmerzen. Eine korrekt angelegte Tragehilfe entlastet die Schultern und hilft bei einem aufrechten Gang. Der Tragende hat sein Baby dauerhaft bei sich, kann den natürlichen Drang seines Kindes nach Nähe stillen und beide können eine gegenseitige Bindung aufbauen. Als Tragender merkt man direkt, wenn das Baby unruhig wird oder es ihm warm oder kalt ist.

Eine passende Tragehilfe unterstützt die weitere Entwicklung des Säuglings und stillt seine natürlichen Bedürfnisse. Eine korrekte Einstellung vorausgesetzt, spricht nichts dagegen, sein Kind auch längere Zeit am Stück zu tragen – keine Sorge, wenn es zwickt oder drückt melden sich die Kleinen lautstark!

Wichtig ist dabei immer, auf die Anhock-Spreiz-Haltung zu achten (M Form). Ebenso sollte der Rücken sich runden können und die Atmung muss uneingeschränkt möglich sein. Das Baby sollte zudem auf Kopf-Kuss-Höhe sitzen. Um das Einbinden richtig ausführen zu können, empfiehlt sich eine Trageberatung.

Letzte Aktualisierung am 23.03.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API