Hinweis

Muttermilch ist die natürliche und artgerechte Ernährung für Säuglinge und Kleinkinder. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Muttermilch als einzige Nahrungsquelle in den ersten
6 Monaten und mit Einführung der Beikost bis zu zwei Jahre oder länger. Bitte lassen Sie sich vor der Verwendung einer Säuglingsnahrung von einer Fachkraft beraten.
WHO KODEX

vegane Formula-Nahrung (Anfangsnahrung)

Im Buch „Vegan für unsere Sprösslinge“ widmen sich Carmen Hercegfi und Ann Maynert unter anderem dem Thema der veganen Ernährung von Säuglingen. In den ersten 6 Lebensmonaten deckt Muttermilch/Frauenmilch alle Nährstoffe und wird nach und nach von Beikostkost ergänzt, sodass am Ende des ersten Lebensjahr noch etwa 30 % aller Nährstoffe aus Muttermilch/Frauenmilch bezogen werden.

vegane Formula-Nahrung (Anfangsnahrung)

vegane Formula-Nahrung (Anfangsnahrung)

© AdobeStock

Im Buch „Vegan für unsere Sprösslinge“ widmen sich Carmen Hercegfi und Ann Maynert unter anderem dem Thema der veganen Ernährung von Säuglingen.

In den ersten 6 Lebensmonaten deckt Muttermilch/Frauenmilch alle Nährstoffe und wird nach und nach von Beikostkost ergänzt, sodass am Ende des ersten Lebensjahr noch etwa 30 % aller Nährstoffe aus Muttermilch/Frauenmilch bezogen werden.

Dr.Renz Polster geht in seinem Buch „Kinder verstehen“ davon aus, dass Menschenbabys bis etwa 4-6 Jahre Muttermilch/Frauenmilch oder einen entsprechenden Ersatz benötigen, um sich gesund zu entwickeln.

Soweit so gut, doch was ist, wenn Muttermilch/Frauenmilch nicht zur Verfügung steht und was ist ein geeigneter Muttermilchersatz?

Mit dieser und anderen Fragen hat Carmen sich an mich als Fachkraft für Formula ernährte Säuglinge gewandt, da es zu diesem Thema viele Unsicherheiten gibt.

© AdobeStock

Die Richtlinie 2006/141/EG der Kommission vom 22. Dezember 2006 aktualisiert. 12.06.2019 regelt, welche Kriterien ein Muttermilchersatz Produkt erfüllen muss.
Es ist genau festgeschrieben, welche Zutaten erlaubt sind und welche Inhaltsstoffe mindestens enthalten sein müssen.

Als Säuglingsmilch / Anfangsmilch dürfen Produkte bezeichnet werden, deren Protein aus Kuhmilch und/oder Ziegenmilch stammt.

Als Säuglingsnahrung / Anfangsnahrung dürfen Produkte bezeichnet werden, deren Protein aus Soja und Proteinhydrolysaten aus Kuhmilch hergestellt werden. 

Proteinhydrolysat, ein Gemisch von Peptiden unterschiedlicher Kettenlänge sowie freier Aminosäuren aus Eiweiß pflanzlicher, tierischer oder mikrobieller Herkunft. Die Gewinnung von P. erfolgt durch hydrolytische Spaltung der entsprechenden Eiweiße mittels spezifischer oder unspezifischer Proteasen. Der Hydrolysegrad des Substrats ist abhängig von dem verwendeten Enzympräparat und den Reaktionsbedingungen.*

Spezialnahrung (bilanzierte Diät)

Neben diesen Muttermilchersatzprodukten gibt es noch  Spezialnahrungen für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diät), die nur unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden sollten. Diese Spezialnahrungen sind für Säuglinge mit schweren Grunderkrankungen geeignet wie zum Beispiel Nahrungsmittelallergie oder Stoffwechselerkrankung. Diese Nahrungen enthalten als Proteinquelle zum Beispiel extensiv hydrolysiertes Molkeneiweiß (Kuh/Ziege) wie extensiv hydrolysierte Proteine aus Soja und Reis.

Bei meiner Recherche zum Interview mit Carmen war ich ehrlich gesagt sehr darüber erschrocken, dass in einigen Artikeln zu veganer Säuglingsnahrung genau diese Spezialnahrungen als Alternative für die vegane Ernährung von Babys angepriesen werden.

*Quelle: https://www.spektrum.de/lexikon/chemie/proteinhydrolysat/7566

Vegane Säuglingsnahrung / Anfangsnahrung

Mit Stand Dezember 2020 findet sich nur eine (deutschsprachige) vegane Säuglingsnahrung auf dem Markt und wird von Bimbosan als Bisoja verkauft.

Alle anderen Produkte auf Basis von Soja und Reis wie Humana SL, Töpfer Lactopriv und auch die oft als Geheimtipp gehandelten französischen Marken wie Prémiriz, Bébé Mandorle und Modilac Experte Riz sind kein Muttermilchersatzprodukt sondern eine Spezialnahrung für kranke Kinder.

Welche Nachteile haben Spezialnahrungen?

Ist ein Baby krank und braucht eine Spezialnahrung, so ist es ein Segen, dass hochwertige Produkte zur Verfügung stehen, die seine Beschwerden lindern. Für gesunde Babys kann dies jedoch keine Option sein, da ein hochwertiges Muttermilchersatzprodukt möglichst viele der bereits bekannten Komponenten von Muttermilch enthalten sollte. Diese fehlen in Spezialnahrungen und dürfen deshalb auch nicht als Muttermilchersatzprodukt verkauft werden. 

Ist eine Soja basierte Anfangsnahrung auch bei einer Allergiegefährdung geeignet? 

Leider nein. Die Leitlinie-S3 zur Allergieprävention befasst sich mit diesem Thema und schreibt dazu: 

Für Risikokinder wird weiterhin ersatzweise für die ersten 4 Lebensmonate eine Hydrolysatnahrung empfohlen, wenn nicht gestillt oder teilgestillt wird. Dabei ist zu beachten, dass die in den Studien getesteten hydrolysierten Säuglingsnahrungen auf dem deutschen Markt zum Teil nicht mehr erhältlich sind (von Berg 2013). Die Evidenzlage und die Größe der berichteten Effekte sind für die in Deutschland getesteten Präparate BebaHA (Nestle, Vevey, S3-Leitlinien061/016: Allergieprävention aktueller Stand: Juli 2014 14 Schweiz), Hipp-HA (Hipp, Pfaffenhofen), Nutramigen (Mead Johnson, Diezenbach) und Nutrilon Premium (Nutricia/Numico, Zoetermeer, Niederlande) ebenfalls unterschiedlich. Für sojabasierte Säuglingsnahrungen fehlt weiterhin der Hinweis auf einen präventiven Effekt.

Falls Ihr Baby ein erhöhtes Risiko hat an einer Allergie zu erkranken und Stillen nicht möglich ist, so sollte es eine HA-Nahrung erhalten. Da es keine vegane HA-Nahrung gibt, rate ich dringend zur Rücksprache mit einem/er Kinderarzt/in.

© AdobeStock

Welche Kriterien sollte ein Muttermilchersatzprodukt erfüllen?

Die EU-Verordnung regelt die Mindestanforderungen und gibt vor, welche zusätzlichen Komponenten enthalten sein dürfen. 

Nach dem derzeitigen Wissensstand rund um Muttermilchersatzprodukte sind insbesondere die sogenannten LCP`s hauptsächlich an einer guten Entwicklung beteiligt. Welche LCP´s enthalten sind, hängt von den Zutaten ab und einige LCP´s können nur aus tierischen Produkten gewonnen werden. 

LCP steht für den englischen Begriff „Long-Chain Polyunsaturated Fatty Acids“ und beschreibt langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die u. a. für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen sowie die Sehfähigkeit des Babys sehr wichtig sind. Beispiele für LCPs sind Docosahexaensäure (DHA), eine Omega-3-Fettsäure und Arachidonsäure (ARA), eine Omega-6-Fettsäure. Weil Babys in den ersten Lebensmonaten noch nicht ausreichend LCPs selbst produzieren können, sind hochwertigen Säuglingsanfangsnahrungen häufig LCPs zugesetzt.

Gemäß der neuen EU-Richtlinie für Säuglingsmilchnahrungen, die zu Beginn des Jahres 2020 in Kraft trat, ist der Zusatz von LCPs sogar gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings ist nur ein Mindestwert vorgeschrieben, der weit von dem weg ist, was an einer Kopie von Muttermilch schon möglich wäre.

Ist ein zugelassenes Muttermilchersatzprodukt wie Bimbosan Bisoja sicher?

Ja das ist es, Soja gilt als sicher und selbstverständlich sind alle Nährstoffe in der vorgeschriebenen Menge enthalten. Zu Bedenken geben möchte ich, dass einige Inhaltsstoffe wie insbesondere Nukleotide und eine Vielzahl von LCP´s fehlen und Nahrungen mit diesen Komponenten aus aktueller wissenschaftlicher Sicht die deutlich bessere mögliche Kopie von Muttermilch wäre.

Wie nah kommen Ersatzprodukte an Muttermilch heran? 

Die Forschung zu Muttermilch ist lange noch nicht am Ende angekommen, und soweit ich es beurteilen kann, wird eine 1:1 Kopie wohl nie erreicht werden.

Im Vergleich zu Säuglingsnahrungen aus den 90er-Jahren hat sich vieles weiter entwickelt und wenn alle Optionen ausgeschöpft werden, stehen im Jahr 2020 hochwertige Produkte zur Verfügung. 

Auf einer Skala von 1-10 und wenn Muttermilch eine 10 wäre, würde ich die erreichte Kopie einer hochwertigen (tierischen) Pre-Nahrung mit 7 bewerten. Die vegane Säuglingsnahrung Bimbosan Bisoja bewerte ich mit 3 und Spezialnahrungen zur bilanzierten Diät mit einer 1.

Frauenmilch als Muttermilchersatz?

Ohne Frage ist Frauenmilch die Beste Alternative zu Muttermilch. Frauenmilchbanken sind rar und nicht immer ist es leicht, eine Frauenmilchspende zu erhalten. Die Mühe lohnt sich jedoch und manchmal sind auch unkonventionelle Lösungen eine Option. Vielleicht gibt es jemanden im sozialen Umfeld, die bereit ist, Muttermilch im privaten Rahmen zu spenden. In vielen Kulturen ist das Stillen innerhalb der Familie unter nahen Verwandten oft üblich und sogenannte “Milchgeschwister” nichts ungewöhnliches.

An wen können Eltern sich wenden, wenn Sie Fragen zu Säuglingsnahrungen haben?

Ansprechpartner Nummer 1 sollte eine Fachkraft zur Stillberatung sein. Sollte Stillen nicht möglich oder gewünscht sein so rate ich zu einer Fachkraft für Formula ernährte Säuglinge. Die zertifizierten Fachkräfte beraten neutral, wertfrei und bindunsgorientiert.

www.fes-beratung.de

Werbung (Amazon Affiliate Link)

Letzte Aktualisierung am 24.10.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API