Warum ist krabbeln wichtig

Diese Frage wird mir sehr oft gestellt und grob zusammengefasst ist es so, dass beim Krabbeln die wechselseitigen bzw. diagonalen Bewegungen von Arm und Bein einen entscheidenden Einfluss auf die Koordinierung der beiden Gehirn- und Körperhälften haben.

Rechtes Gehirn und linkes Gehirn haben unterschiedliche Aufgaben
Beim Erlernen einer Bewegung wie dem Krabbeln wird ebenso Abstraktionsvermögen und logisches Denken als auch Kreativität und Vorstellungskraft benötigt. Das Gehirn besteht aus zwei Hälften, den Hemisphären, die über „Corpus callosum“ miteinander verbunden sind und Informationen austauschen, die zu einem einheitlichen Ganzen werden. Dies ist insofern sehr wichtig, weil die beiden Gehirnhälften nicht die gleiche Funktion haben. Die linke Hemisphäre ist für Sprache, Zahlen, Mathematik, logisches Denken und das Abstraktionsvermögenzuständig. Die rechte Hemisphäre für künstlerische Begabung, Kreativität, Vorstellungskraft und Einsicht. 

Förderung des Informationsaustausches der beiden Gehirnhälften
Viel Körperkontakt und Bewegung sind die besten Voraussetzungen für eine gute Kommunikation der beiden Gehirnhälften. So werden zum Beispiel bei der Babymassage viele Handgriffe diagonal ausgeführt und auch später beim Schulsport spielen gezielte Übungen eine wichtige Rolle. Die natürlichste Art der Förderung ist jedoch das „koordinierte“ Krabbeln oder auch Robben. Bei den wechselseitigen bzw. diagonalen Bewegungen von Armen und Beinen tauschen die beiden Gehirnhälften permanent Informationen aus und es bilden sich wichtige „Datenwegen“.

Bitte das Baby nicht hinsetzten
Erst nachdem Babys krabbeln beginnen Sie mit den „Übungen“ zum Sitzen um mit etwa 9-12 Monaten aus dem schrägen Seitsitz heraus in die Sitzposition zu kommen. Erst dann kann das Baby sitzen. Ein Baby, das hingesetzt wird und dabei nicht umkippt, kann NICHT sitzen. Wenn Kinder von Erwachsenen hingesetzt werden, fehlen ihnen oftmals die Voraussetzungen zum Krabbeln. Die Muskulatur ist nicht richtig ausgebildet und es hat keinen Bezug zur Höhe, in der es sich befindet. Es kommt aus der Sitzposition oft nicht ins Krabbeln, sondern verweilt im Sitzen und „verlangt“ später danach hingesetzt zu werden. Manchmal lassen sich Babys dann gar nicht mehr hinlegen um zu krabbeln, sondern „quengeln“ solange bis sie gesetzt werden. Dies hat oft zur Folge, dass sie beginnen sich mit dem Po und den Beinen fortzubewegen und somit auf dem Po zu robben. Bei dieser Art der Fortbewegung findet jedoch sehr viel weniger Kommunikation  beider Gehirnhälften statt, sodass es vorkommen kann, dass der Kinderarzt Physiotherapie verordnet, weil krabbeln wichtig ist.

Wann beginnt ein Baby zu krabbeln?
Etwa mit 6 bis 8 Monaten beginnt das Kind über verschiedene Varianten in den Vierfüßlerstand zu gelangen. Im Gegensatz zu einer ähnlichen Ausgangsstellung, in der das Kind mit 6 Monaten symmetrisch den Po nach vorne und hinten »wippte«, ist es nun in der Lage eine Hand bzw. ein Knie von der Unterlage zu heben und das Krabbeln zu starten.

Wie kann das Baby beim Krabbeln unterstützt werden?
Die beste Förderung ist, dem Kind Zeit zu lassen. Kinder entwickeln sich nach ihrem eigenen Tempo. Manche sind schneller, manche langsamer. Bewegungsentwicklung ist ein natürlicher Prozess der nach keinen bestimmten Plan verläuft. Babys brauchen dazu keine spezielle Förderung, sondern sehr viel freie Zeit die sie ungestört auf dem Boden verbringen können. Babys WOLLEN krabbeln, sie WOLLEN die Welt selbst entdecken und das nach ihrem Tempo.

Eine sichere Umgebung mit Anregungen zum Krabbeln
Je sicherer die Umgebung ist, umso entspannter können Sie Ihrem Baby bei seinen „Turnübungen“ zusehen und sich über seine Entwicklung freuen. Als Anregung zum rauf und runter krabbeln ist eine Höhe von 10-20cm optimal. Für einen spannenden Krabbelparcour reichen dem Kind schon ein paar Kissen oder ein stabiler Karton aus. 

Von anderen Kindern „lernen“
Ein Vorteil der Kinderbetreuung mit Tagesmutter oder KiTa ist, dass Babys sich etwas bei anderen Kindern abschauen können. In einer Gruppe mit anderen Kindern macht krabbeln zudem mehr Spaß.